Der Traum von der Karriere ohne Grenzen

Arbeiten in der weiten Welt – für immer mehr Deutsche ist das eine Traumvorstellung. Erfahrungen zu sammeln, bessere Karriereaussichten und ein höheres Gehalt sind die Hauptbeweggründe dafür, einen Job im Ausland anzunehmen. Und wie eine Umfrage des Marktforschungsunternehmens Innofact ergeben hat, kann sich mittlerweile jeder dritte Deutsche vorstellen, im Ausland zu arbeiten.

Im Januar habe ich auf bewerbung.com die vierteilige Artikelserie „Karriere ohne Grenzen“ veröffentlicht, in der ich Tipps für die Jobsuche im Ausland gebe.

  • Teil 1: Bewerben und Jobsuche im Ausland
  • Teil 2: Die besten Tipps für die Jobsuche im Ausland
  • Teil 3: Der Lebenslauf für das Ausland
  • Teil 4: Das kleine 1×1 für den Auslandsjob

Hier noch einmal die wichtigsten Infos und Hinweise im Überblick:

Es lohnt sich, Auslandserfahrungen zu sammeln, denn für lukrative Stellen in Deutschland können diese ein Türöffner sein. Vor allem international tätige Unternehmen entsenden Mitarbeiter projektbezogen und für begrenzte Zeit ins Ausland oder bieten internationale Traineeprogramme an. Perfekt, wenn sich diese Chance bietet, denn dann muss man sich – außer in ein Flugzeug zu steigen – um recht wenig kümmern. Die Unternehmen organisieren die Ausreisepapiere, die Arbeitserlaubnis und klären (steuer-)rechtliche Gegebenheiten, nicht nur für die jeweiligen Mitarbeiter, sondern auch für die mitreisenden Familienangehörigen. Wer auf eigene Faust einen Job im Ausland will, hat da deutlich mehr zu tun.

 

Jobsuche und Bewerbungen im Ausland – Von A bis Z

Hier die wichtigsten Informationen, Tipps und Tricks für Jobsuche und Bewerbungen in alphabetischer Reihenfolge:

Arbeitserlaubnis

Zunächst sollte man sich intensiv über die Voraussetzungen einer Arbeitserlaubnis im jeweiligen Land informieren. Während EU-Bürger aufgrund der sogenannten Freizügigkeit von Arbeitnehmern (in Artikel 45 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union verankert) das Recht haben, in einem anderen EU-Land ohne Arbeitserlaubnis zu arbeiten, sieht dies außerhalb der EU schon anders aus. Hier besteht die erste Hürde oftmals bereits darin, überhaupt eine Arbeitserlaubnis zu erhalten. Denn diese wird meist nur dann erteilt, wenn die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt gut aussehen oder man nachweisen kann, dass ein Arbeitgeber zur Einstellung bereit ist. Mitunter wird das zum Teufelskreis.

Berufsabschlüsse anerkennen (lassen)

Nicht jeder deutsche Abschluss, jede Qualifikation und Ausbildung wird anerkannt. Dies betrifft beispielsweise Vertreter/innen medizinischer Berufe (Ärzte, Physiotherapeuten, Apotheker, Psychologen), aber auch Anwälte, Polizisten, Lehrer oder Architekten.

Jobsuche im Ausland

Jeder Kulturkreis tickt anders, vakante Stellen werden zum Teil ganz unterschiedlich beworben und Jobs auf verschiedensten Wegen vergeben. Als nützlich, gerade zum Beginn einer Suche, könnten sich deshalb folgende Tipps erweisen:

  1. Online-Jobbörsen für den ersten Schnellcheck
    Die bekanntesten Online-Jobbörsen, die weltweite Stellenangebote aufführen, sind Indeed und Monster, die teilweise unter länderspezifischen Adressen aufzurufen sind. Darüber hinaus gibt es für viele Länder regionale oder berufs-, beziehungsweise branchenspezifische Jobsuchmaschinen.
  2. Regionale Tageszeitungen als Quelle nutzen
    Nach wie vor werden auch in ausländischen Blättern viele Stellen inseriert, zum Teil auch online.
  3. Netzwerken ist bei der Jobsuche im Ausland das A&O
    Während XING vor allem auf den deutschsprachigen Raum spezialisiert ist, finden sich auf LinkedIn verstärkt internationale Kontakte. Hier sollte das Mitgliedsprofil auf jeden Fall in englischer Sprache (bitte American English vs. British English beachten) und gegebenenfalls zusätzlich in der Landessprache des Ziellandes angelegt werden. Für Expatriates und Interessierte gibt es neben den klassischen Karrierenetzwerken zudem unterschiedlichste Online-Plattformen zum Kennenlernen und den gegenseitigen Austausch. Eine davon ist InterNations mit verschiedenen Communities in 390 Städten weltweit.
  4. Das bestehende persönliche Netzwerk nutzen
    Möglicherweise arbeiten Freunde oder Bekannte in Unternehmen mit Auslands-Dependancen? Vielleicht war schon der beste Freund oder die Tante in der gewünschten Region und kann Tipps geben?
  5. Über international tätige Unternehmen ins Ausland
    Möglichkeit 1: Trainee-Programme, in denen in der Regel sechs- bis zwölfmonatige Auslandeinsätze vorgesehen sind.
    Möglichkeit 2: Wer schon mit beiden Beinen im Berufsleben steht, sollte im Unternehmen immer wieder proaktiv die Bereitschaft für die Arbeit im Ausland bekunden. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich irgendwann eine solche Möglichkeit auftun wird.
  6. Vor allem am Karriereanfang sind Vermittlungsprogramme eine Chance
    Informationen hierzu gibt es bei der Agentur für Arbeit. Zudem bieten viele Unternehmen internationale Praktika an, auf die man sich über die firmeninternen Karriereseiten bewerben kann. Wenn man sich beruflich nicht festlegen will, dann sind Work-and-Travel-Programme eine gute Gelegenheit, Erfahrungen in unterschiedlichen Jobs im Ausland zu sammeln.

Lebenslauf

Nun geht’s an die Bewerbung, bereits bei der Erstellung des Lebenslaufs lauern einige Fettnäpfchen. Doch das Aushängeschild eines Bewerbers ist sein Lebenslauf. Das Einhalten von länderspezifischen Gestaltungskriterien ist somit essentiell, um nicht schon aufgrund von Formfehlern eine Jobabsage zu erhalten. Zu den beliebtesten Zielen für die Arbeit im Ausland zählen Nordamerika, Südeuropa und Australien. Hier ein paar Tipps für die einzelnen Regionen:

  • USA und Kanada – Anonymität wahren und dennoch Persönlichkeit zeigen
    Kurz und knackig soll ein Lebenslauf sein. Die wichtigsten Informationen müssen also bestenfalls auf einer Seite Platz finden. Aufgrund strenger Antidiskriminierungsgesetze werden außer dem Namen und der Adresse des Bewerbers keine weiteren persönlichen Daten im Lebenslauf angegeben. Geburtsdatum, Familienstand und ethnische Zugehörigkeit sowie Fotos werden weggelassen. Dennoch soll man Persönlichkeit zeigen. Personaler legen sehr viel Wert auf ehrenamtliche Aktivitäten, die ein außerberufliches Engagement zeigen. Berufliche Erfolge müssen herausstechen und sind mit Zahlen sowie Fakten zu untermauern. Hobbies gehören in den seltensten Fällen in den Lebenslauf. Der nordamerikanische Lebenslauf kann und muss von Selbstvertrauen strotzen.
  • Südeuropa – weniger ist mehr
    Auch in Südeuropa liegt in der Kürze die Würze. Mehr als eine Seite sollte der Lebenslauf nicht umfassen. Ein Foto kann man beifügen, muss man aber nicht. Private Interessen und Hobbies werden nur dann aufgeführt, wenn sie für die angestrebte Stelle relevant sind.
    Achtung! Während der Lebenslauf in Spanien und Italien mit curriculum vitae überschrieben wird, verzichtet man in Frankreich auf eine Überschrift.
  • Australien – je länger desto besser
    Natürlich soll das australische résumé kein Roman werden, aber zwei bis fünf Seiten dürfen es schon werden. Bei der Gestaltung kann man sich gut und gerne an den Richtlinien für Nordamerika orientieren – bis auf wenige Ausnahmen. Im Unterschied zum nordamerikanischen Raum wird in Australien auch das Geburtsdatum aufgeführt.

Motivationsschreiben/ Anschreiben

Allgemein gilt: Ein Anschreiben muss so kurz wie möglich, aber so präzise wie nötig sein. Die Motivation für die Jobsuche im Ausland sollte klar und nachvollziehbar formuliert werden. Auch in internationalen Bewerbungen sollte das Anschreiben möglichst an direkte Ansprechpartner adressiert werden.

Achtung! In Frankreich war es früher üblich, Anschreiben handschriftlich zu verfassen. Obwohl sich dies mittlerweile geändert hat, gibt es immer noch Arbeitgeber, die handschriftliche Schreiben bevorzugen.

Sprachzertifikate

Fremdsprachen sind der Schlüssel für die Arbeit im Ausland. Nicht notwendig, aber mit Sicherheit ein Pluspunkt ist ein Nachweis von Fremdsprachenkenntnissen in einer Bewerbung. Für welches Zertifikat man sich entscheidet, hängt davon ab, in welchem beruflichen Kontext man Fuß fassen möchte. Während manche Zertifikate den Fokus auf den akademischen Bereich legen (z.B. TOEFL), kann man sich mit anderen Tests Business-Sprachkenntnisse zertifizieren lassen (z.B. Cambridge Zertifikate).

Zeugnisse

Für eine Bewerbung im Ausland reichen oftmals ein Anschreiben und der Lebenslauf aus. Wer dennoch Zeugnisse mitschicken möchte, sollte diese vorher übersetzen und beglaubigen lassen.

 

Auch wenn die Koffer im Geiste schon fast gepackt sind…

Neben der Beschaffung der Arbeitserlaubnis, der Stellensuche und der länderspezifischen Gestaltung des Lebenslaufs sind noch weitere Formalität zu beachten:

Kindergeld

Ob während der Zeit im Ausland Kindergeld gezahlt wird, ist davon abhängig, ob die Steuerpflicht in Deutschland bestehen bleibt. Vor der Ausreise ins Ausland ist die zuständige (Familien-)Kasse zu informieren, die anschließend die Voraussetzungen für weitere Kindergeldzahlungen prüft.

Mitgliedschaften

Bei Berufsverbänden, Sportvereinen oder dem ADAC sollte man nach Anwartschaften oder ruhenden Verträgen fragen. Wer beabsichtigt, nach Deutschland zurückzukehren, kann dadurch Wiedereintrittsgebühren sparen und frühere Mitgliedschaften in der Regel mit den gleichen Ansprüchen wieder aufnehmen.

Steuerpflicht

Verlegt man seinen Wohnsitz ins Ausland und meldet sich in Deutschland vollständig ab, dann besteht Steuerpflicht im Ausland. Doch trotz einer vollständigen Wohnsitzverlegung kann man weiterhin in Deutschland steuerpflichtig bleiben, zum Beispiel aufgrund von Wohneigentum. Auch die jährliche Arbeitszeit im Ausland hat einen Einfluss auf die Steuerpflicht. Möglich ist ein Antrag über die Freistellung von der deutschen Lohnsteuer.

Fehler in Sachen Steuerrecht sollten unbedingt vermieden werden, denn sie sind nicht nur ärgerlich, sondern in der Regel auch kostenintensiv. Wer sich in Sachen Steuerpflicht nicht rechtzeitig informiert – zum Beispiel beim Finanzamt oder bei international versierten Steuerberatern – muss möglicherweise Strafzahlungen leisten oder läuft Gefahr einer Doppelbesteuerung auf ein- und dasselbe Einkommen.

Versicherungen – Anwartschaften oder freiwillige Zahlungen empfohlen

Wer beabsichtigt, nach Deutschland zurückzukehren, sollte möglichst im deutschen Sozialversicherungssystem bleiben. Dies ist zum einen gegeben, wenn man unter einem Jahr in einem Land arbeitet, mit dem Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen geschlossen hat. Zum anderen kann man (kostenpflichtige) Anwartschaften abschließen, bei denen ein monatlicher Mindestbetrag gezahlt wird.

Auch bei Kranken- und Rentenversicherung gilt: Damit man nach der Rückkehr aus dem Ausland den Versicherungsschutz mit den gleichen Ansprüchen wie vor der Abreise wieder aufnehmen kann, empfiehlt sich der Abschluss einer Anwartschaft (Krankenversicherung) und freiwillige Einzahlungen in die deutsche Rentenversicherung.

Wichtig: Die hier beschriebenen Tipps gelten vor allem für Personen, die auf eigene Faust ins Ausland gehen. Bei kurz- oder langfristigen Entsendungen durch ein Unternehmen sorgt dieses in der Regel dafür, dass nicht nur der entsendete Mitarbeiter, sondern auch die mitreisenden Familienangehörigen im deutschen Sozialversicherungssystem bleiben.

 

Fazit – Nicht von den Formalitäten abschrecken lassen

Wer einen Job im Ausland sucht, muss vieles organisieren und prüfen. Die organisatorischen Formalitäten kosten nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Aber sie sind definitiv nicht umsonst! Wer ein oder mehrere Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet hat, wird das gesamte Leben davon profitieren. Nicht zuletzt für die berufliche Expertise und die Karriere sind die Jahre im Ausland förderlich, sondern sie prägen die eigene Persönlichkeit und eröffnen neue Sichtweisen für andere Kulturen, Arbeits- und Lebensweisen.

2 Gedanken zu “Der Traum von der Karriere ohne Grenzen

  1. Pingback: „Karrierepfade“ – ich nehme euch mit auf (m)eine Reise | Karrierepfa.de

  2. Pingback: „Tschüss Deutschland“ – die Zeit der letzten Male | Karrierepfa.de

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