„Tschüss Deutschland“ – die Zeit der letzten Male

Schon als ich im November (der angesammelte Resturlaub machte es möglich) meine Bürotür bei meinem alten Arbeitgeber hinter mir zuzog und mich von meinen Arbeitskollegen verabschiedete, ging sie offiziell los: die Zeit der letzten Male vor dem großen Umzug mit Kind und Kegel.

Letzte Besuche in der Heimat. Letzte Treffen mit Freunden. Ein letztes Mal ins Lieblingsrestaurant. Und so weiter.

…und obwohl noch gar nicht feststeht, wann wir genau in den Flieger steigen (Januar, Februar, März?, April!) – neben dem Visum für Kanada brauchen wir nämlich auch eines für die USA (das dauert zurzeit etwas länger, warum nur?) – wird der Umzug nach Kanada immer greifbarer. Die Pässe sind aktualisiert, erste Verträge umgestellt, eine Packliste ist geschrieben, der Kita-Platz gekündigt, Mitgliedschaften ruhend gesetzt, Abos gekündigt, internationaler Führerschein ausgestellt…

Es ist ein Abschied, der langsam beginnt. Stück für Stück. Etwas träge und gemächlich – aber vor allem entspannt.

Dass eine Entsendung nicht exakt auf die Minute geplant werden kann, hatten mein Mann und ich zum Glück schon im letzten Jahr bei Freunden mitbekommen. Es sind viele Stellschrauben, die in die richtige Position gebracht werden müssen, und so kann sich eine Abreise immer mal wieder nach hinten verschieben.

Interessanterweise macht die aktuelle Planungsunsicherheit und Ungewissheit unserem Umfeld mehr zu schaffen, als meinem Mann und mir.

Natürlich würden wir gern wissen, wann wir Tschüss Deutschland sagen, wie wir in Kanada wohnen werden und wann wir in unser neues Leben auf Zeit starten werden.

Doch während wir uns trotzdem über jeden weiteren Tag freuen, den wir mit der Familie und Freunden verbringen können und den langsam näher rückenden Frühling genießen, ist das Umfeld erstaunt darüber, wie entspannt wir an die ganze Sache herangehen.

Doch letztlich ist es ja so…

Ich arbeite seit Jahresbeginn freiberuflich, mir ist es ganz egal, wo mein Computer steht (Stichwort: Ortsunabhängigkeit). Entscheidend für mich ist aktuell, dass ich neben den organisatorischen Dingen und der Familie genügend Zeit zum Arbeiten finde und meine Deadlines halten kann. Doch trotz diverser krankheitsbedingter Kind-Zuhause-Tage funktioniert das bisher sehr gut.

Bei meinem Mann ist es noch einfacher, denn er wechselt mit der Abreise nahtlos vom Job in Deutschland in den Job in Kanada.

Lediglich für unsere Tochter ist es nicht ganz so einfach, denn sie weiß zwar, dass sie sich irgendwann von ihrer Heimat und ihren Freunden verabschieden muss, aber sie weiß nicht, wann genau das sein wird. Und das sorgt bei ihr verständlicherweise für Unsicherheit (gepaart mit gesteigerter Anhänglichkeit). Daher hat sie nun einen Stichtag, bis zu dem wir auf jeden Fall in Deutschland sind und der für sie auch greifbar ist (es ist ihr Geburtstag). Damit kann sie umgehen und sie weiß auch, dass wir nicht von heute auf morgen umziehen.

Es ist für die ganze Familie aufregend, diesen Schritt eines internationalen Umzugs zu erleben und eine Karriere ohne Grenzen zu beginnen. Es kribbelt im Bauch und es ist unglaublich spannend.

Doch am wenigsten hilft es in dieser Situation, sich stressen zu lassen. Meine Familie und ich sind aufgrund der Entsendung in der glücklichen Lage, dass wir viel organisatorische Unterstützung von Seiten der Firma erhalten. Und auch, wenn manches länger dauert, als anfänglich gedacht, so geht die Planung doch Stück für Stück voran.

Letzte Woche habe ich zwei Ordner angelegt, einen für den Umzug nach Kanada und einen für die Rückkehr nach Deutschland. Es gibt so viele Dinge, an die zu denken ist. Mit diesen Ordnern behalte ich den Überblick und sie füllen sich stetig mit wichtigen Unterlagen und Dokumenten. Außerdem notiere ich Checklisten und ToDo’s für die Abreise, die Ankunft in Kanada und die gefühlt noch in weiter Ferne liegende Rückkehr nach Deutschland. Das gibt Sicherheit und Struktur.

Wieso also soll man die Zeit der letzten Male nicht in Ruhe genießen?

Der Umzug und das Einrichten des neuen Hauses, das Ankommen und Einleben im internationalen Umfeld werden schließlich noch herausfordernd und aufregend genug…

4 Gedanken zu “„Tschüss Deutschland“ – die Zeit der letzten Male

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