Karrierepfade – Der Weg ist das Ziel

Vor kurzem bin ich in einem Buch von John Strelecky über eine tolle Analogie gestolpert, die sich ganz wunderbar auf das Berufsleben und die Karriere übertragen lässt: das Navigationsgerät. Es hat mich dazu veranlasst, einen längst überfälligen Artikel über Karriere und Karrierepfade zu schreiben.

Viele Wege führen nach Rom

Nehmen wir einmal ein, wir haben ein bestimmtes Ziel. Dieses kann man vielleicht über die Autobahn schnell erreichen, verpasst dafür aber die landschaftlich schönere Strecke auf der Landstraße. Manche haben es eilig und wählen die Autobahn, andere wiederum fahren Landstraße.

Ein Navigationsgerät schlägt in der Regel mehrere Routen vor, aus denen man wählen kann: schnellste Strecke, kürzeste Strecke, Strecke ohne Autobahnen. Entscheidet man sich, von der Autobahn abzubiegen und ein Stück auf der Landstraße zu fahren, so berechnet das Navi die Route neu.

Es gibt also kein richtig oder falsch bei der Streckenwahl, sondern nur unterschiedliche Fahrtzeiten. Egal, welchen Weg man einschlägt, ans Ziel kommen alle die meisten.

„Wenn möglich, bitte wenden“

Ich kann mich noch gut an Autofahrten mit meinen Eltern erinnern, die das Navigationsgerät meist eingeschaltet hatten. Doch wann immer ihnen danach war, bogen sie von der Strecke ab, machten eine Rast, suchten Zwischenstopps. Diese Schlenker haben sich für uns in den meisten Fällen gelohnt.

Das Navi brachten diese unvorhergesehenen Richtungsänderungen immer kurz aus dem Konzept („Wenn möglich, bitte wenden.“), doch kurze Zeit später hatte das Gerät die Route zuverlässig neu berechnet.

„Und manchmal haben wir das Gefühl, so weit vom Weg abgekommen zu sein, dass niemand und nichts uns je wieder zurückbringen kann.“ […] „Denken Sie nun aber einmal an das Navigationsgerät. Egal, wie oft Sie im Kreis fahren, das Gleiche tun, dieselben Fehler machen … Egal wie oft Sie links abbiegen, obwohl die freundliche Stimme Ihnen sagt, dass Sie rechts abbiegen sollen … Ohne jegliche Kritik schaltet sich die Stimme wieder ein und sagt: ‚Die Route wird neu berechnet.‘ Und dann bietet sie Ihnen alles, was Sie benötigen, um an ihr Ziel zu gelangen.“

[Auszug aus John Strelecky: Wiedersehen im Café am Rande der Welt]

Der Baum des Lebens

Vor vielen Jahren bekam ich eine Photographie des französischen Photographen Yann Arthus Bertrand geschenkt. Das Bild zeigt einen Baum von oben und Dutzende Pfade von Tieren, die aus allen Himmelsrichtungen gekommen waren, um im Schatten dieses Baumes zu rasten.

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„The tree of life“, Kenia, Photo von Yann Arthus Bertrand

Genauso wie die Analogie des Navigationsgeräts verdeutlicht auch Bertrands „Tree of life“ die Vielzahl der unterschiedlichen Pfade, auf denen wir an das gleiche Ziel  gelangen können.

Natürlich gibt es einen optimalen, kurzen und vielleicht schnellen Weg dahin. Doch auch ein längerer Weg kann mit vielen, wenn nicht sogar mehr lohnenswerten Eindrücken bereichern.

Neue Wege einschlagen

In den vergangenen Wochen habe ich Freunde und Bekannte gefragt, ob sie – wenn sie die Wahl hätten – noch einmal die gleiche Ausbildung machen oder das gleiche Fach studieren würden. Ich war überrascht, dass sich die Hälfte von ihnen mittlerweile anders entscheiden würde. Aber trotzdem haben sie bisher nichts verändert.

Woran liegt es, dass so viele zögern? Ist es die Angst vor dem Ungewissen? Die Angst davor, eventuell nicht erfolgreich zu sein?

Heutzutage gibt es immer mehr Patchworklebensläufe. Die meisten Karrierepfade sind nicht mehr stringent von A nach B gerichtet, sondern beinhalten Abzweige, Berge und Täler. Warum also nicht vom gewählten Weg nach rechts und links abzweigen, einen Schlenker machen oder eine komplett neue Richtung einschlagen?

Der Weg ist das Ziel

Ich plädiere nicht dafür, dass man ständig neue Richtungen einschlagen oder Umwege wählen sollte. Es spricht überhaupt nichts dagegen, in der Karriere den kürzesten und schnellsten Weg zu wählen. Vielmehr will ich sagen, dass es sich manchmal lohnen kann, von der gewählten Strecke abzubiegen oder eine neue Richtung einzuschlagen.

Nur wenige Menschen in meinem Umfeld beschreiben ihren aktuellen Job als Traumjob. Viele sehen Veränderungspotential oder wünschen sich andere Erfahrungen.

Im Berufsleben haben mittlerweile die meisten Arbeitnehmer nicht mehr nur eine Station, sondern mehrere unterschiedliche. Wir schlagen unterschiedliche Richtungen ein und auf jedem Abschnitt unseres (Karriere-)Pfades lernen wir hilfreiche Dinge für zukünftige Positionen und Projekte. Zumindest war es bei mir bisher so. Ich persönlich sehe „Karriere“ daher seit Jahren eher als eine Reise. Und auf dieser Reise ist der Weg das Ziel.

 

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