Auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – Jobsuche in Kanada

Es geht los: Ich stürze mich auf den nordamerikanischen Arbeitsmarkt. Wobei, stürzen kann man es nicht nennen, vielmehr bin ich dabei, mich langsam heranzutasten und meine Möglichkeiten auszuloten.

In meinem ersten Beitrag schrieb ich über das anstehende Abenteuer unter anderem Folgendes:

„Ich kann mich umorientieren, neue (hoffentlich auch berufliche) Erfahrungen im Ausland sammeln. Definitiv ein Pluspunkt für meinen weiteren Karriereweg.“

…und darum kümmere ich mich jetzt. Beruflich bin ich im Personalbereich bzw. in der Weiterbildungsbranche Zuhause. Dort stehen mir hoffentlich auch in Nordamerika viele Türen offen. Das Einsatzspektrum und die Möglichkeiten, die man in diesem Feld hat, sind sehr vielfältig. In der Vergangenheit habe ich immer problemlos Arbeit gefunden.

Hoffnung vs. Frust?

Ich bin zuversichtlich, in Kanada oder den USA einen Job zu finden, der mir Spaß machen wird. Und ich bleibe optimistisch, obwohl mir im Mai das Sonderheft der Zeitschrift Personalwirtschaft über Auslandsentsendungen in die Hände fiel, in dem unter anderem Folgendes zu lesen war:

„Richtig kompliziert für Arbeitgeber und Expats wird es immer dann, wenn der begleitende Partner versucht, seine Karriere im Ausland fortzusetzen. Ein meist vergebliches Unterfangen. […] Und selbst wenn der mitreisende Angehörige als Bewerber alle Anforderungen für einen Arbeitsplatz im Einsatzland erfüllt, bleibt immer noch die Frage offen: Welcher Arbeitgeber will einen Mitarbeiter einstellen, der definitiv in zwei oder drei Jahren das Unternehmen wieder verlässt?“

(Mediadaten zum Sonderheft „Auslandsentsendung – Nicht ohne meine Familie“ )

Ins Ausland mitreisende Partner sind also eher unbeliebte Arbeitnehmer, in die wenig Geld und Energie gesteckt wird? Selbst, wenn ich einen Job finde, sind die Jahre im Ausland für mich zunächst einmal eher zum Nachteil?

Diese Aussagen erzeugten bei mir zwar einen recht negativen Beigeschmack und das war nach der Anfangseuphorie ganz schön ernüchternd. Aber davon lasse ich mich noch lange nicht abschrecken. Denn sowohl in Windsor als auch in Detroit (einmal über den Detroit River in die USA gehüpft) sind viele internationale Unternehmen ansässig, die selbst Mitarbeiter entsenden und Expatriates gegenüber offen sind. Erst einmal kein Grund zur Sorge. Außerdem bin ich ein positiv denkender Mensch und vielseitig interessiert. Ich wittere also überall Chancen für mich.

Ein großer Pluspunkt

Da mein Mann entsendet wird, kümmert sich die Firma meines Mannes auch für mich als Ehefrau um eine Arbeitserlaubnis. Die Arbeitserlaubnis der mitreisenden Partner orientiert sich dabei in der Regel an den Einsatzorten des entsendeten Partners. Da mein Mann sowohl in Kanada als auch in den USA unterwegs sein wird und wir direkt im Grenzgebiet wohnen werden, bekomme ich somit vermutlich eine Arbeitserlaubnis für Kanada und die USA.

Das ist doch schon einmal eine sehr gute Voraussetzung. Man stelle sich einmal vor, ich hätte einfach so vor, nach Kanada zu ziehen und dort eine Arbeit zu suchen. Diese bekomme ich natürlich nur mit einer Arbeitserlaubnis, welche ich wiederum nur dann erhalte, wenn die Aussichten für mich auf dem Arbeitsmarkt auch gut aussehen bzw. ich beweisen kann, dass ein Arbeitgeber dazu bereit ist, mich einzustellen. Ein Teufelskreis und ich habe wahrlich großen Respekt vor all Denjenigen, die ohne den Luxus einer organisierten Entsendung ihr berufliches Glück im Ausland suchen.

Sie müssen dann nämlich folgendermaßen vorgehen:

„Wenn Sie eine Arbeitserlaubnis beantragen, müssen Sie normalerweise schon eine feste Stellenzusage eines kanadischen Unternehmens vorweisen können. Dazu muss der Arbeitgeber seinerseits zunächst beim kanadischen Arbeitsamt beantragen, dass er Sie überhaupt einstellen darf. Das Arbeitsamt wird dann überprüfen, ob die Stelle nicht auch mit einem kanadischen Arbeitslosen besetzt werden könnte.

Hier sind also gleich drei Hürden zu nehmen: Bewerbung beim Unternehmen – Antrag beim kanadischen Arbeitsamt – Beantragung der Arbeitserlaubnis… Da die Prozedur auch für den Arbeitgeber ziemlich aufwändig ist und außerdem lange dauert, sind kanadische Unternehmen meist auf Bewerbungen aus dem Ausland nicht besonders erpicht.“

(career-contact.net, Zugriff am 19.08.2016)

Wie gesagt, die Firma meines Mannes kümmert sich um eine Arbeitserlaubnis für mich. Somit muss ich mir darum vermutlich wenig Gedanken machen.

Aber zurück zur Jobsuche

Um eine Arbeit muss ich mich nämlich selbst kümmern, was gar nicht so einfach ist, denn natürlich kenne ich weder den kanadischen noch den amerikanischen Arbeitsmarkt.

Wie gehe ich zurzeit vor?

  1. In diversen Jobsuchmaschinen habe ich Suchaufträge eingegeben, zum Beispiel: „HR, Windsor, Umkreis 20 km“ (u.a. auf indeed.com). Über die Suchaufträge bekomme ich regelmäßig Stellenangebote per E-Mail, auf welche ich mich ggf. direkt bewerben kann. (Das habe ich bisher noch nicht gemacht.)
  2. Was ich hierbei fast noch wichtiger finde: Seitdem Stellenangebote in mein E-Mailpostfach flattern, führe ich eine Liste von Unternehmen, die in Windsor oder Detroit Stellen im Personalbereich ausschreiben. Es ist nämlich gar nicht so einfach, erst einmal herauszufinden, bei wem man sich überall bewerben könnte. Also analysiere ich fleißig Stellenanzeigen und schreibe die entsprechenden Unternehmensnamen auf eine Liste. Dazu notiere ich mir die jeweilige Karriere-Website sowie angebotene Recruiting Events, Informationen zum HR-Bereich oder Möglichkeiten der Initiativbewerbung.
  3. Natürlich helfen bei der Erstellung der Unternehmensliste auch die Suche auf den Städte-Websites und Wikipedia-Einträgen über Windsor/Detroit oder die Analyse von google maps weiter.
  4. Größere Unternehmen pflegen teilweise Talent-Netzwerke. Hier kann man sich bequem mit der E-Mailadresse registrieren und den gewünschten Tätigkeitsbereich angeben. Bei der Ausschreibung passender Stellen wird man per E-Mail informiert.
  5. Als berufliches Online-Netzwerk wird im nordamerikanischen Arbeitsmarkt hauptsächlich LinkedIn genutzt. Da LinkedIn eine integrierte Jobbörse hat, suche ich natürlich auch dort nach Jobangeboten im Personalbereich, um meine Unternehmensliste zu vervollständigen. Weiterhin gebe ich bei der Suche nach Personen bestimmte Tätigkeitsbeschreibungen in Verbindung mit der gewünschten Stadt ein. Dadurch werden mir passende Kontakte angezeigt, die ich ggf. auch direkt anschreibe. Networking ist das A & O.
  6. Für Expatriates gibt es übrigens verschiedene Netzwerke. Eines davon ist InterNations. Ähnlich wie bei Xing und LinkedIn werden mir Personen mit ähnlichen (beruflichen) Interessen als Kontakte vorgeschlagen. Zudem gibt es verschiedene Communities für 390 Städte weltweit, so auch für Detroit. Dort kann man sich super vernetzen und es werden gemeinsame Events bzw. Aktivitäten organisiert. Im Netzwerk finden sich viele wertvolle Berichte und Artikel über das Leben und die Arbeit im Ausland. Auf InterNations suche ich gezielt nach Personen in Windsor und Detroit, die ähnliche Interessen wie ich selbst angegeben haben.
  7. Eine Hilfe können auch Familie, Freunde, Bekannte sein, die schon einmal in der Gegend gelebt haben oder gerade leben. Ein Studienfreund von mir wurde ebenfalls entsendet und arbeitet derzeit in einem großen Konzern in Michigan, eine halbe Stunde von Windsor entfernt. Perfekt! Denn da er mittlerweile schon einige Monate dort lebt, kennt er sich natürlich schon gut aus und ist ein guter Ansprechpartner bei meiner Jobsuche.
  8. Auch deutsche Unternehmen lasse ich bei meiner Suche nicht außer Acht. Denn viele Unternehmen haben Zweigstellen in Nordamerika. Ich war sehr überrascht, welche Unternehmen in der Region Windsor/Detroit vertreten sind.
  9. Auf den Seiten der ansässigen Universitäten finden sich Informationen zu Karrieremessen und Recruiting Events. Die meisten Universitäten haben zudem einen Career Service mit Informations- und Stellenangeboten. …und natürlich kommt auch eine der Universitäten selbst als Arbeitgeber in Betracht.

Was an dieser langen Liste deutlich wird: Die Möglichkeiten der Suche sind sehr vielfältig und man muss aufpassen, dass man sich in der Suche nach potentiellen Arbeitgebern und Jobmöglichkeiten nicht verzettelt. Mir raucht manchmal ganz schön der Kopf, da ich mich häufiger frage, wo ich zuerst anfangen soll…

Ein kurzes Fazit

Die Stellensuche im Ausland benötigt Zeit, vor allem für die Recherche, aber auch für die Einarbeitung in andere Bewerbungsformalien. Man glaubt gar nicht, wie aufwändig es ist, ein amerikanisches resume zu erstellen…

Außerdem ist es wichtig:

  • Einen Schritt nach dem anderen zu tun. Nichts zu überstürzen, aber auch nicht zu lange über alles nachzudenken.
  • Das eigene Netzwerk zu befragen und sich Rat zu holen – der Blick von außen hilft.
  • Nicht aufzugeben, und vor allem nicht frustriert zu sein, wenn die ersten Absagen kommen. Und das wird passieren. (Noch während ich dabei bin, diesen Beitrag zu finalisieren, erhalte ich auf meine erste Bewerbung – eine Initiativbewerbung – auch gleich meine erste Absage.) Durchatmen, weiter geht’s!

P.s.: Bei einer Entsendung des Partners lohnt es sich gegebenenfalls, die Personalabteilung des entsendenden Unternehmens nach eventuellen Kontakten zu befragen. Manchmal gibt es Kooperationen zwischen Unternehmen, um auch die mitreisenden Angehörigen in Lohn und Brot zu bringen. Leider kann dies aber nicht vorausgesetzt werden.

4 Gedanken zu “Auf der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – Jobsuche in Kanada

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